Romano Prodi, Frohe Ostern 2006
Sunday, April 16th, 2006
Romano Prodi ist nicht zu beneiden. Den knappen Wahlsieg in der Tasche, sieht er sich jetzt neuen Vorwürfen aus der rechten Ecke ausgesetzt. Diese werden ausgerechnet von Roberto Calderoli, dem ehemaligen Minister für Reformen unter Berlusconi, vorgebracht. Erinnern wir uns, dieser Kotzbrocken, war am 18. Februar diesen Jahres wegen seiner anti-islamischen Äusfälle, nach seinem TV-Auftritt in einem T-shirt mit Mohammed-Karikaturen und nachdem dadurch verursacht, bei anti-italienischen Protesten in Bengasi/Lybien, elf Demonstranten erschossen worden waren, zurückgetreten. Logisch, daß sich dieses ehrenwerte Mitglied der Lega-Nord, zürückmeldet und lautstark in allen italienischen Zeitungen moniert, die Union um Romano Prodi, habe mehr als 45.000 Stimmen der Lega Alleanza Lombarda, zu Unrecht zuerkannt bekommen. Diese hatte sich nur im Wahlbezirk Lombardia 2, nicht in der ganzen Lombardei oder gar ganz Italien, zur Wahl gestellt, was mit ziemlicher Sicherheit auch nach der letzten Änderung des Wahlgesetzes (den Original-Text lesen Sie hier), dessen Reglement entspriciht. Auf jeden Fall, so Calderoli, sei Casa della Liberta (CDL Berlusconi), mit 20.000 Stimmen im Vorteil. Keine Ahnung wie dieses Scharmützel endet, wahrscheinlich wird die ganze Geschichte vor dem Kassationsgericht landen. Zumindest scheint es, daß Romano Prodi sich seine gute Laune wie hier beim Zeitungholen nicht vermiesen läßt. Gegenüber Journalisten vor seiner Haustüre, in Bologna, gab der Professor diesen Kommentar des Tages zu Protokoll: «Nessuno seriamente, né dei costituzionalisti né dei giuristi, ha nemmeno preso in considerazione la cosa. Di fronte a questo la Pasqua diventa ancora più bella. Ci hanno provato, ci hanno provato, ci hanno provato e quindi va bene: più lungo è il tormentone, più bella è la vittoria».




camera, hat das Mitte-Links-Bündnis von Romano Prodi, nach dem Wahlergebnis wie es jetzt vorliegt, eine hauchdünne Mehrheit von 49,8% der Stimmen errungen, gegenüber 49,7% für das "Casa della Liberta" von Silvio Berlusconi. Im Senat wiederum, liegt das Mitte-Rechts-Lager von Silvio Berlusconi mit 155 zu 154 Sitzen für das Mitte-Links-Bündnis vorn. Abgesehen davon, dass Berlusconi und seine Leute nachzählen lassen wollen, hat das im Dezember verabschiedete neue Wahlrecht, ein gutes: Die siegreiche Koalition, bekommt automatisch 55% der Sitze im Parlament (der camera) zugesprochen, was 340 von 630 Sitzen entspricht. Man kann nur hoffen, daß wenn die Stimmen der wahlberechtigten, im Ausland lebenden Italiener ausgezählt sind, noch der eine oder andere Sitz im Senat an das Mitte-Links-Bündnis geht und sich das Wahlergebnis und die Verhältnisse dadurch zu Gunsten von Romano Prodi, stabilisieren.
Weil ich ja tatsächlich immer noch genervt bin von wegen den Wahlen in Italien und insbesondere der unsäglichen Figur die Berlusconi dabei abgibt, ein kleines Intermezzo, dass mit all diesen Geschmacklosigkeiten nun wirklich nichts gemein hat. Pasta, die Nudel im allgemeinen und natürlich die italienische im besonderen. Wie kommt’s? Fast wie von ungefähr hatte ich mich mit zwei Kunden, heute zum Mittagessen bei Don Camillo, einem kleinen Restaurant in unserer Nachbarschaft eingefunden. Bestellt haben wir nicht gerade originell, 1xroten Hauswein (Sangiovese), 2 Warsteiner und Mineralwasser. Der Vorschlag es mit einer Auswahl ihrer heutigen Nudelkreation zu versuchen, eben einem "Bis", kam von Giovanni und es war ein Volltreffer. Konservativ wie ich beim Essen nunmal bin, konnte ich es mir nicht verkneifen zu den Raviolini alla Boscaiolo noch meine heiss und innig geliebten Tagliatelle al Ragout zu ordern. Was bleibt zu erwähnen? Die Tagliatelle, logisch hausgemacht, wie immer spitze, doch die Raviolini waren nachgerade ein zu entdeckendes Gedicht, ein Hauch von Limone, prosciutto crudo (leicht geraucht), zarteste Streifen porcini (Steinpilz) und das ganze in einer leichten Sahnesosse. Man kann nur noch die Augen verdrehen und in den kulinarischen Himmel, der sich natürlich in Italien befindet, entschweben.
Wenn es nicht so grotesk und lächerlich wäre. Knapp 3 Tage vor den Wahlen in Italien und kurz nach dem letzten Zusammentreffen zwischen Silvio Berlusconi und Romano Prodi, entfacht Berlusconi eine Schlammschlacht, die ihresgleichen sucht. Die Italiener, an einiges gewohnt, scheinen dies alles mit relativer Gleichgültigkeit zu ertragen. Der durchsichtige Versuch von Berlusconi, eventuell unentschlossene Wähler auf seine Seite zu ziehen, indem er die Abschaffung der von den Gemeinden erhobenen Steuer (ICI) auf das heiligste der Italiener (neben der Mama), das eigene Haus vorschlug, mag noch als Wahlkampfmanöver durchgehen. Was jetzt während der letzten beiden Tage über die Medien verbreitet wird, ist jedoch mal wieder unterste Schublade. Von Berluconi lange geübt und oft kunstvoll zelebriert, wird mal wieder das totgeglaubte Gespenst einer kommunistischen, linken Gewaltherrschaft, wie ein Karnickel aus dem Hut gezaubert. Ein solches Regime, wäre das was einträte, falls Romano Prodi und seine linke Koalition die Wahlen in Italien an diesem Sonntag tatsächlich gewinnen sollten. Folgt man Berlusconi, so sind weite Bereiche der Kultur, vom Theater, über den Film, aber auch der Banken, der Justiz und der öffentlichen Verwaltung, von Linken und Kommunisten regelrecht unterwandert. Wie konnte er sich unter diesen Umständen überhaupt 5 Jahre an der Macht halten? Die Wähler des Linksbündnisses noch als coglioni, sprich Ärsche die einem auf den Sack gehen zu bezeichnen und gleichzeitig die Katholiken aufzufordern nicht links zu wählen, setzt dem ganzen die Krone auf. Tja, eigentlich hatte ich nicht vor noch irgendwas über diese Geschichte zu schreiben, nur der Typ nervt gewaltig. Mat

