Ein Besuch in Cesena
Cesena ist nicht nur ein Schild an der Autobahn A14 Richtung Rimini oder Ancona. An der alten Heer- und Handelsstrasse, der Via Emilia gelegen, gab es ungefähr alle 30km wichtige Militärstützpunkte. Bezeichnenderweise war La Curva, der Haken den die Via Emilia im Stadtgebiet schlägt, lange Zeit der Namen, den die Einheimischen für ihre Stadt benutzten. Bestimmend für das Stadtbild Cesenas und von weithin sichtbar, ist der Rocca Malatestiana. Die Stadt und die Burg hatten ihre Blütezeit unter den Malatesta, einer der bekanntesten Herrscherfamilien, die im Mittelalter, bekannt wie die Medici, weite Landstriche in der Emilia-Romagna und den Marchen unter ihrer Fuchtel hatten. Mit Galeotto Malatesta, übernahm ein Mitglied dieser Familie im Jahre 1377 die Macht. Zur Burg und dem danebenliegenden Park, gelangt man über eine lange, beeindruckende Reittreppe, an deren oberem Ende, die Piazza
Zangheri liegt. Da ich vorgestern nur für ein paar Stunden in Cesena war, hat es für einen Besuch der Burg nicht gereicht, dazu waren es noch über 30° im Schatten. Deswegen habe ich mir den Aufstieg erspart und bin so durch die Stadt geschlendert, kurz zum Barbiere, ein neuer Haarschnitt, danach ein Espresso auf der wunderschönen Piazza del Popolo. Auf der Piazza (an jedem Mittwoch und Samstag findet ein Wochenmarkt statt), steht seit 1591 die Fontana Masini, ein herrlicher Springbrunnen, für den seinerzeit sogar extra Marmor aus Istrien angeschleppt wurde. Offensichtlich hatten die Bewohner gehörigen Respekt vor Vandalismus. Anders ist es wohl nicht zu erklären, dass der Brunnen bis 1925 nur hinter schmiedeeisernen Gittern zu bestaunen war. Auf der rechten Längsfront des Marktplatzes stehen einige schöne, restaurierte Bürgerhäuser, verspielt, fast schon im Zuckerbäckerstil, mit dezenten Gipsfresken versehen und auch die eine oder andere aufgesetzte Stockwerksatrappe, potemkinsche Fassaden um das Stadtbild nicht zu stören. Keine 5 Minuten weiter steht der sehenswerte Dom (Duomo
di San Giovanni Battista). Mit dem Bau wurde um 1385 begonnen, der wunderschöne Turm beispielsweise wurde erst um 1450 errichtet. Die baulichen Änderungen zogen sich über Jahrhunderte hin. Immer wieder wurde eine neue Kapelle oder ein neuer Altar hinzugefügt. Es lassen sich bei einem Besuch des Gotteshauses viele Stilelemente finden (von der Früh-Renaissance, über den Barock, bis zur Neo-Gotik), die all die Baumeister zu verschiedenen Zeiten bei ihren Arbeiten wechselseitig beeinflussten. Weil gerade ein Gottesdienst stattfand, konnte ich innen keine Fotos machen. Was ansonsten auffällt, ist das bei diesem fast schlicht wirkenden Sakralbau, der weit verbreitete rote Backstein der Emilia-Romagna zum Einsatz kam. Eines der schönsten Zeugnisse für den Einsatz dieses Baumaterials, findet sich an der Barriera Cavour. Bis 1861 mit der Eisenbahn sozusagen der Fortschritt nach Italien und nach Cesena kam, stand hier La Porta Cervese, ein altes Stadttor, welches abgerissen und an dessen Stelle der neue Bahnhof gebaut wurde. Dieser bestand vor allem aus
zwei sich gegenüberliegenden, grossen Wartehallen, gebaut mit eben diesem Backstein und versehen mit dezenten Einsätzen aus Marmor als Dekoration. Heute bildet dieses Ensemble den Haupteingang zum historischen Zentrum der Stadt. Es befinden sich darin unter anderem ein Cafe, ein Zeitschriftenkiosk und mehrere kleine Geschäfte. Weil in der Altstadt chronischer Mangel an Parkplätzen herrscht, wurde zwischenzeitlich darunter ein hochmodernes Parkhaus errichtet, aus dem die Autos per Aufzug herausbefördert werden. Schlendert man weiter, stösst man abseits der Via Battista einer der Haupteinkaufsstrassen von Cesena, auf verkehrsberuhigte Strassen, in denen die Zeit stillgestanden zu haben scheint. Zu
bestaunen sind wunderschöne, klassische Bürgerhäuser, zarte Gelb- und Ockertöne wechseln sich ab. Gebaut wurde 9 Meter hoch, wegen des begrenzten Raumangebotes in der Altstadt, hat es seinerzeit für die eigentlich vorgeschriebenen 9 Meter Breite der Strasse an manchen Stellen nicht ganz gereicht. Völlig unverhofft bin ich am Ende dieser Strasse auf das Stadttheater gestossen. Das jetzige Teatro A. Bonci wurde 1843 erbaut und erhielt erst später den Namen "Alessandro Bonci", nach dem berühmten in Cesena geborenen Tenor. Zuguterletzt ein Rat an alle Sommer- und Winterurlauber: da Cesena nur unglaubliche 12 km Luftlinie vom Meer entfernt ist, egal ob man sich für die schön erhaltene und
gut restaurierte Altstadt interessiert und zum Einkaufen und gemütlichen Bummeln hierherkommt, es besteht die Möglichkeit eine der vielen Theateraufführungen zu besuchen. Die Geschichte des Teatro Alessandro Bonci, eine Übersicht über die kulturellen Veranstalltungen, sowie das Programm der laufenden Saison, findet sich hier. Bei meinem nächsten Besuch gibt es auf jeden Fall mehr Bilder, wenigstens von der Biblioteca Malatestiana (nach manchen Leuten zu urteilen, die berühmteste Attraktion von Cesena). Der Schatz dieser Bibliothek, besteht aus 348 handgeschriebenen Büchern. Einige dieser kostbaren alten Codices (Handschriften), stammen aus der Zeit um 800 und sind teilweise mit handkolorierten Miniaturzeichnungen versehen. Berühren ist strengstens verboten.


